Wenn sich das Büro am Nachmittag aufheizt oder Ihr Team draussen körperlich arbeitet, müssen Sie schnelle Entscheidungen treffen: Was gilt bei Hitze bei der Arbeit, welche Pflichten haben Sie, um Ihre Mitarbeitenden zu schützen, und wie setzen Sie Anpassungen im Betrieb korrekt um? Hier finden Sie die rechtlichen Grundlagen, konkrete Schutzmassnahmen und Hinweise für die HR-Praxis.
Zusammenfassung
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei Hitze bei der Arbeit gibt es kein automatisches Hitzefrei. Entscheidend ist die Risikobeurteilung im konkreten Arbeitsumfeld. Arbeitgebende müssen Gefährdungen prüfen, passende Schutzmassnahmen festlegen und die Mitarbeitenden instruieren.
- Geeignete Massnahmen reichen von Wasser, Schatten und zusätzlichen Pausen bis zu angepassten Arbeitszeiten, frühem Arbeitsbeginn oder einem anderen Arbeitsort. Ausschlaggebend sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Belastung und Arbeitsplatz.
- Für HR zählt neben dem Schutz auch die saubere Umsetzung: Sommerarbeitszeiten, Homeoffice, Schichtwechsel, Nachtarbeit und Ausnahmen sollten nachvollziehbar erfasst werden, damit Führung, HR und Payroll mit denselben Zeitdaten arbeiten.
Welchen Einfluss haben hohe Temperaturen auf die Arbeit?
Hitze bei der Arbeit belastet die Gesundheit und schafft zusätzliche Risiken am Arbeitsplatz.
Ein warmer Raum hat je nach Arbeitsumfeld andere Folgen. Im Büro sinkt die Konzentration, Kopfschmerzen nehmen zu und zusätzliche Pausen werden nötig. In der Werkhalle kommen Maschinenwärme, Schutzkleidung und wenig Luftbewegung hinzu. Auf der Baustelle verschärfen direkte Sonne, körperliche Belastung und helle Flächen die Situation weiter. Deshalb führt dieselbe Temperatur nicht automatisch zum gleichen Risiko.
Für die Beurteilung zählen vor allem diese Punkte:
- Lufttemperatur
- Relative Luftfeuchtigkeit
- Sonneneinstrahlung
- Luftbewegung
- Körperliche Anstrengung
- Kleidung
Das SECO ordnet ein, dass Schwitzen ab über 30 °C besonders relevant wird. Für die Praxis heisst das: Bewerten Sie nicht nur den Messwert, sondern die tatsächliche Arbeitssituation.
31 °C in einem schlecht beschatteten Büro mit vielen Geräten erfordern andere Massnahmen als 31 °C bei einer frühen Aussenschicht mit Schattenpausen. Erst diese Einordnung trägt eine betriebliche Entscheidung, statt nur auf das Thermometer zu schauen.
Definition
Hitze bei der Arbeit beschreibt das Zusammenspiel aus Umgebung, Belastung und individueller Verfassung. Der Körper hält seine Kerntemperatur normalerweise zwischen 36,5 und 37,5 °C. Steigen Temperatur und Feuchtigkeit oder kommt körperliche Anstrengung hinzu, wird die Wärmeabgabe schwieriger. Dadurch wachsen das Risiko für Erschöpfung, Konzentrationsfehler und Hitzeschäden. Zur Gesundheitsbelastung wird Wärme, wenn der Körper trotz Schwitzen und Erholung nicht mehr ausreichend ausgleichen kann.
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Welche Pflichten gelten bei Hitze bei der Arbeit?
Bei Hitze bei der Arbeit gibt es keine feste Gradgrenze mit automatischem Arbeitsstopp. Arbeitgebende müssen Risiken beurteilen und den Gesundheitsschutz wirksam organisieren.
Diese Pflicht ergibt sich aus dem Arbeitsgesetz, dem ArG, und dem Obligationenrecht, dem OR. Art. 6 ArG verpflichtet Arbeitgebende zum Schutz der Gesundheit. Art. 328 OR verlangt, dass Persönlichkeit und Gesundheit der Mitarbeitenden geschützt werden. Daraus folgt kein pauschales Hitzefrei, wohl aber die Pflicht, geeignete Massnahmen für den konkreten Arbeitsplatz zu treffen.
Im Büro kommen Beschattung, Lüftung, Getränke, Pausen oder Homeoffice-Regelungen infrage. Bei Ausseneinsätzen, in der Industrie oder auf Baustellen stehen Arbeitsrhythmus, Schatten, Rotationen und angepasste Einsatzzeiten im Vordergrund. Führungskräfte müssen diese Regeln zudem vermitteln. Wer Schutzmassnahmen beschliesst, sollte sie klar kommunizieren und intern dokumentieren.
Es gibt keinen allgemeinen Rechtsanspruch an Hitzefrei für alle Beschäftigten. Lässt sich der Schutz im Einzelfall nicht gewährleisten, kann ein Arbeitsunterbruch trotzdem nötig sein. Massgeblich bleibt die Risikobeurteilung, nicht eine einzelne Zahl auf dem Thermometer.
Rechtliche Grundlage
Es gibt keine starre Gradgrenze, sondern eine Schutzpflicht nach Risiko. Arbeitgebende müssen prüfen, welche Gefährdungen Hitze am konkreten Arbeitsplatz auslöst, und daraus passende Massnahmen ableiten. Reicht das interne Wissen nicht aus, können Fachpersonen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beigezogen werden. Das SECO nennt hier ausdrücklich ASA-Fachpersonen. Reichen Schutzmassnahmen trotz hoher Belastung nicht aus, kann im Extremfall auch eine vorübergehende Einstellung der Arbeit nötig werden.
Wie lässt sich Hitze am Arbeitsplatz konkret beurteilen?
Eine brauchbare Beurteilung stützt sich auf Messwerte und auf die tatsächliche Belastung am Arbeitsplatz.
Für Büroarbeit arbeitet das SECO-Merkblatt mit einer einfachen 5-Schritt-Logik. Dabei werden Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit gemessen. Hinzu kommt ein Zuschlag je nach Feuchte. Danach wird der Wert einer Kategorie zugeordnet, aus der sich die Massnahmen ableiten. Diese Methode hilft, Diskussionen zu versachlichen, gerade wenn Mitarbeitende Hitze unterschiedlich empfinden.
Für industrielle Hitzearbeitsplätze oder schwere körperliche Arbeit reicht diese vereinfachte Büro-Logik nicht aus. Dann braucht es eine vertiefte fachliche Beurteilung. Die Suva arbeitet bei Tätigkeiten im Freien mit Hitzestufen und bezieht neben der Temperatur auch Feuchtigkeit und Belastung ein. Gerade hohe Luftfeuchtigkeit verschärft die Belastung deutlich, auch wenn das Thermometer keinen Extremwert zeigt.
| Situation | Ideale Massnahme | Wer entscheidet | Wie dokumentieren |
|---|---|---|---|
| Heisses Büro am Nachmittag | Beschattung, Lüftung, zusätzliche Pausen | Führung und HR | Interne Notiz, Teaminfo, Pausenregel |
| Aussenarbeit bei Hitzewelle | Frühbeginn, Schattenpausen, Wasser | Einsatzleitung | Einsatzplan, Instruktion, Schichtanpassung |
| Aufgeheizter Standort mit ortsunabhängigen Aufgaben | Homeoffice oder Verlagerung | Führung und HR | Arbeitsort im System, Zeitdaten, Freigabe |
| Verschobene Einsätze am Abend | Schichttausch oder Nachtarbeit prüfen | Führung, HR, Payroll | Arbeitszeitbuchung, Ausnahme, Zuschläge |
Welche Massnahmen helfen bei Hitze bei der Arbeit im Büro?
Jalousien früh, sobald Sonne direkt auf die Fenster trifft. Gelüftet wird in den kühlen Stunden am Morgen oder in der Nacht. Ist die Aussenluft tagsüber heisser als der Raum, bleiben die Fenster besser geschlossen. So heizt sich der Raum langsamer auf.
Auch interne Wärmequellen sollten Sie prüfen. Beleuchtung, Monitore, Drucker und andere Geräte geben Wärme ab. Wer nicht benötigte Geräte ausschaltet, senkt die Raumlast. Getränke müssen leicht erreichbar sein, und Mitarbeitende brauchen auch Zeit zum Trinken. Leichte Mahlzeiten und angepasste Kleidung entlasten zusätzlich über den Tag.
Ventilatoren unterstützen die Wärmeabgabe, weil Luftbewegung die Verdunstung auf der Haut verbessert. Einen überhitzten Raum lösen sie nicht allein, im Alltag bringen sie aber spürbare Entlastung. In einer Verwaltung mit stark aufgeheizter Südfassade hilft etwa die Kombination aus Beschattung, Frischluft am Morgen und verschobenen Besprechungen am Nachmittag.
Welche Massnahmen gelten bei Arbeiten im Freien oder bei körperlicher Belastung?
Bei Aussenarbeit oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten muss der Arbeitstag aktiv angepasst werden. Hier steigt das Risiko schneller, weil Sonne, Anstrengung und Kleidung gleichzeitig auf den Körper wirken.
Die Suva empfiehlt, schwere Arbeiten in die Morgenstunden zu verlegen und den Arbeitsbeginn vorzuziehen. Zusätzliche Pausen im Schatten gehören ebenfalls dazu. In belastenden Phasen nennt die Suva einen konkreten Wert: 15 Minuten Pause pro Stunde an einem kühlen Ort. Diese Erholungszeit wirkt nur dann, wenn Teams sie tatsächlich nutzen können und nicht nebenbei weiterarbeiten.
Direkt am Arbeitsplatz sollten Wasser, ungesüsster Tee oder isotone Getränke verfügbar sein. Sehr schwere Arbeiten sollten auf das notwendige Mass reduziert werden. Wo es möglich ist, können Teams zwischen heissen und kühleren Arbeitsplätzen wechseln. Auch persönliche Schutzmittel zählen dazu:
- Kopfbedeckung mit Nackenschutz
- Leichte Kleidung
- Sonnenschutz mit mindestens SPF 30, empfohlen 50
Im Produktionsbetrieb kann das so aussehen: Arbeitsbeginn um 6 Uhr, körperlich schwere Tätigkeiten vor Mittag, danach kürzere Belastungsblöcke und wechselnde Einsätze in weniger aufgeheizten Bereichen. Solche Regeln schaffen Planbarkeit und helfen Teams, Belastung rechtzeitig zu begrenzen.
Gut zu wissen
Die Suva arbeitet in der Praxis mit drei Hitzestufen: 21 bis 27 °C, 28 bis 32 °C und ab 33 °C. Diese Einteilung hilft bei der Einsatzplanung. Sie ersetzt aber keine betriebliche Beurteilung. Hohe Luftfeuchtigkeit, direkte Sonne und schwere Arbeit können schon bei tieferen Temperaturen zusätzliche Massnahmen nötig machen. Für Führungskräfte ist diese Staffelung deshalb eine Entscheidungshilfe: Wann verschieben Sie Arbeiten, wann planen Sie zusätzliche Pausen und wann reduzieren Sie die Belastung deutlich?
Wann sind Arbeitszeit, Pausen und Arbeitsort anzupassen?
Arbeitszeit, Pausen und Arbeitsort müssen angepasst werden, sobald die Hitzebelastung vor Ort mit einfachen Mitteln nicht mehr ausreichend sinkt.
Frühschichten, verschobene Einsatzzeiten und kürzere Belastungsblöcke wirken während einer Hitzewelle besonders direkt. Zusätzliche Pausen gehören ebenfalls dazu. Für einzelne Rollen kann auch Homeoffice entlasten, wenn ein Standort stark aufheizt und die Aufgaben ortsunabhängig erledigt werden können. Gerade in Verwaltung, Support oder Projektarbeit ist diese Option praktikabel.
Schichtarbeit und Nachtarbeit können eine praktikable Antwort auf starke Tageshitze sein. Dabei müssen Sie jedoch die Regeln zur Höchstarbeitszeit und zu zulässigen Einsatzzeiten einhalten. Wer Sommerarbeitszeiten verschiebt, darf rechtliche Grenzen nicht unter Zeitdruck aufweichen.
Für HR entsteht hier der grösste Koordinationsaufwand: Wer arbeitet wann, wo und mit welcher Pause? Genau dafür können Sie flexible Arbeitszeitmodelle digital verwalten. Das gilt für Gleitzeit ebenso wie für angepasste Wochenmodelle, wenn Belastungsspitzen anders verteilt werden sollen.
Prüfen Sie, wie Sie flexible Sommerarbeitszeiten digital abbilden können.
Welche Gruppen brauchen bei Hitze besondere Aufmerksamkeit?
Einzelne Gruppen brauchen früher Schutzmassnahmen als andere. Für sie reicht dieselbe Standardregel im Team nicht immer aus.
Bei schwangeren Mitarbeiterinnen gelten Raumtemperaturen über 28 °C als beschwerlich oder gefährlich. Dann braucht es eine Risikobeurteilung nach den Vorgaben des Mutterschutzes und, wenn nötig, eine Anpassung des Arbeitsplatzes. Auch Jugendliche, ältere Mitarbeitende und gesundheitlich gefährdete Personen reagieren empfindlicher auf Hitze.
Das SECO nennt zudem Menschen mit Krankheiten, in der Rekonvaleszenz, unter Medikamenteneinnahme sowie mit starkem Über- oder Untergewicht als besonders gefährdet. HR sollte deshalb eine vertrauliche Meldemöglichkeit schaffen. So lassen sich individuelle Anpassungen, ein Ersatzarbeitsplatz oder ein anderer Arbeitsort rechtzeitig organisieren.
Welche Warnzeichen und Erste-Hilfe-Schritte zählen bei Hitzeschäden?
Warnzeichen für Hitzeschäden müssen Teams früh erkennen. Je schneller Führungskräfte sowie Kolleginnen und Kollegen reagieren, desto eher lässt sich eine gefährliche Entwicklung stoppen.
Zu den typischen Anzeichen gehören Schwäche, Erschöpfung, Schwindel, Übelkeit, Muskelkrämpfe und Konzentrationsstörungen. Hinzu kommen trockener Mund, Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Erbrechen. Diese Symptome sollten Sie nicht als blosse Müdigkeit abtun, besonders nicht bei Arbeiten im Freien oder nach mehreren heissen Tagen hintereinander.
Bringen Sie betroffene Personen sofort an einen kühlen Ort oder in den Schatten. Geben Sie Wasser zu trinken, kühlen Sie den Körper und stoppen Sie die Belastung. Aktivieren Sie bei Bedarf die Erste Hilfe.
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Hitzeschutz funktioniert im Alltag nur dann zuverlässig, wenn Anpassungen geplant, kommuniziert und sauber erfasst werden. Genau hier setzen wir mit unserer zentralen HR-Software an.
Wir bündeln Arbeitszeiten, Pausen, Abwesenheiten und Ausnahmen in einem System. So lassen sich Sommerarbeitszeiten, flexible Startzeiten, Homeoffice-Tage, Schichtwechsel oder verlegte Einsätze nachvollziehbar abbilden. Unsere Lösung arbeitet mit Echtzeitdaten, automatisierten Abläufen und einer direkten Anbindung an die Lohnabrechnung. So führen Sie Zeitdaten ohne manuelle Doppelerfassung verlässlich weiter.
Dadurch sinken Rückfragen zwischen Linie, HR und Payroll. Wenn eine Hitzewelle mehrere Teams unterschiedlich betrifft, arbeiten alle Beteiligten mit demselben Stand. Anpassungen bleiben zentral erfasst und aktuell, auch wenn Arbeitsorte oder Pausenregelungen kurzfristig geändert werden.
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